"Man sollte nicht wahllos in
die Geschenkekiste greifen, sondern sich Gedanken machen, was dem
Kunden gefallen könnte. Genau das muss der Werbeartikel dem
Kunden auch vermitteln", sagt Jockers. In eine Idee verpackt,
könne selbst aus einem einfachen Streuartikel oder neudeutsch
"Give-Away" ein witziges Geschenk werden. "Dem Täter
auf der Spur", stand zum Beispiel auf einem Kugelschreiber,
den "Kleine & Jockers" einmal für die Steuerfahndung
entworfen hat – ein individuelles Präsent.
Das Risiko, mit einem witzigen Geschenk
albern zu wirken, sei relativ gering – meint Hans-Joachim
Evers, Vorsitzender des Gesamtverbandes der Werbeartikel-Wirtschaft
(GWW): "Hauptsache, das Geschenk passt in die Firmenphilosophie."
Entscheidend für den Erfolg
des Geschenkes ist für Dennis Jockers die "Message",
die der Artikel transportieren soll und nicht der finanzielle Wert
des Geschenkes: "Wenn Sie Ihrem Kunden sagen wollen: ´Wir
lassen Sie nicht im Regen stehen´, dann können Sie diese
Botschaft symbolisch mit einem Regenschirm rüberbringen",
sagt Jockers.
Damit besagter Schirm auch als Werbeträger
funktioniert, wird natürlich das Firmenlogo angebracht. "Doch
bitte dezent an der Innenseite", sagt Thomas Ketterer, Geschäftsführer
der Werbemittel-Agentur "Active Promotion" in Stein bei
Nürnberg. Einen Regenschirm mit einem dicken Firmenlogo an
der Außenseite benutze niemand gerne. "Außerdem
ist das Unternehmen dann nicht mehr für den Kunden präsent:
Sobald dieser den Schirm aufspannt, kann er das Logo nicht mehr
sehen", sagt Ketterer.
Schön und nützlich solle
der Werbeartikel sein, so dass er sich quasi übergangslos in
die Alltagsgegenstände des Kunden einreihen könne: "Der
gelungene Werbeartikel fällt nicht als Werbeartikel auf",
sagt Ketterer. Und je weiter man sich mit seinem Präsent in
den Privatbereich des Kunden vorwage, desto größer sei
auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Kunde erinnere: Der Sportfan
bekommt deshalb zum Beispiel eine Sporttasche, die ihn bei jedem
Training an den Lieferanten erinnert.
Bodo Lamprecht, Inhaber von "contact-werbemittel"
in Berlin, verkauft zur Zeit Metall-Artikel besonders gut: "Schlüsselanhänger
oder Tischuhren mit Laser-Gravur sind gefragt", sagt er. Der
Trend gehe hin zu hochwertigeren Geschenken: Zwischen zehn und fünfzehn
Euro werde durchschnittlich für das Weihnachtspräsent
ausgegeben.
Nun ist nicht jeder Geschäftskunde
Sportfan oder Metall-Liebhaber. Dann gilt es, ihn in seiner Geschäftswelt
zu packen, z.B. in seinem Büro. Denn dort fällt der Kunde
viele Entscheidungen: "Wenn er nun gerade über eine nächste
Bestellung Büromaterial nachdenkt und sein Blick auf das edle
Schreib-Set fällt, das er bekommen hat, erinnert er sich an
den Unternehmer, von dem er es bekommen hat, und bestellt vielleicht
dort und nicht beim Konkurrenten", erklärt Ketterer.
Da auch die Konkurrenten zur Weihnachtszeit
besonders gerne Geschenke verteilen, ist es für den einzelnen
Unternehmer gar nicht so einfach aufzufallen. "Versuchen Sie
herauszufinden, was und wie die anderen schenken - und tun Sie dann
genau das Gegenteil", schlägt Ketterer vor, "Wenn
z.B. alle Konkurrenten genau zu Weihnachten mit Präsenten vor
der Kundentür stehen, dann klingeln Sie in der ersten Januarwoche.
Wenn alle Wein schenken, schenken Sie ein Wellness-Set."
Vorsicht sei jedoch bei den eher
konservativen Kunden geboten, die pünktlich zu Weihnachten
die Flasche Wein erwarten, warnt Jockers. "Dann sollte man
nicht den Super-Kreativen raushängen, sondern die, die es gerne
klassisch haben, auch klassisch beschenken."
Doch auch das Überreichen des
Geschenkes will gelernt sein: Besonders wichtig sei der persönliche
Kontakt, meint Volker Biedermann von der Werbeartikel-Agentur Gerd
Bartels in Bremen: "Im eMail-Zeitalter kommt das persönliche
Gespräch meist zu kurz. Deshalb sollte man das Geschenk wenn
möglich persönlich überreichen. Außerdem bleibt
man besser in Erinnerung, wenn der Kunde mit dem Geschenk ein nettes
Treffen verbindet", sagt Biedermann. Wenn jedoch der eine Kunde
in Berlin und der andere in München sitzt, empfehle sich natürlich
der Versand, den man durch ein persönliches Gespräch am
Telefon aber wieder aufwerten könne.
Bei aller Freude am Schenken betrachten
die Werbeartikel-Profis das alljährliche und obligatorische
Kundenpräsent ganz nüchtern und sachlich. Genaugenommen
handelt es sich aus ihrer Sicht nämlich nicht einmal um Geschenke,
sondern um so genannte "Kundenbindungspräsente",
wie es Thomas Ketterer formuliert.
In der Werbefachsprache werden die
Weihnachtsartikel denn auch gerne als "Türöffner"
bezeichnet. "Mit dem Weihnachtspräsent in der Hand kann
man sich wunderbar für die gute Zusammenarbeit bedanken und
gleichzeitig über die weitere Geschäftsbeziehung im nächsten
Jahr sprechen", sagt GWW-Vorsitzender Hans-Joachim Evers.